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Manfred E. Scharpf
"Weihrauchs böse Bilder"
o felix culpa - oh glückliche Schuld


12. September - 3. Oktober 2010
Alte Schule, Schloß Zeil 34, Leutkirch

Eine Ausstellung in Kooperation mit den großen Kreisstädten Leutkirch und Wangen im Allgäu, der Stadt Bad Wurzach und der Gemeinde Kißlegg.

"Die Menge strömt zum Haus des Bösen - dort muss sich manches Rätsel lösen."

Damit kann Goethe nur des Künstlers Scharpf Atelier, die Brutstätte seiner kritischen Reifegärung, gemeint haben. Im "Faust", des Genius größtes Werk, provoziert Mephistopheles als die "Exekutive Gottes" den Menschen zum Widerspruch gegen seine Verlockungen. Umsonst! Faust erliegt, zelebriert am Ende blind und ohne Einsicht sein Scheitern im totalen Ausverkauf der Welt, dem auch wir alles opfern was sie uns menschenwürdig erleben lässt. In dem nach Erzählungen simultan mit jugendlichen Gewaltstraftätern entstandenen und viel beachteten Werk "Vor aller Augen" kommt dies - und damit der Faust auf den gemalten Punkt.

Unsere moderne Wertschätzung der Kunst misst sich an ihrer Fähigkeit zum Widerspruch gegen die Absurditäten der jeweiligen Zeit. Wir lassen leicht außer Acht - die Auflehnung der Künstler wird im aktuellen Kontext oft als böser Streich gegen die Sozietät empfunden, sie selbst als Spaß und Spielverderber. Auch heute. Der Künstler Scharpf beschritt immer Wege außerhalb der allgemeinen Unterhaltungskultur. Zuweilen fiel auch er - aus Leidenschaft! Aber gerade aus diesen Erfahrungen in der Welt einer Jahrtausendwende und ihrer Umbrüche nährt er seine neueren Arbeiten mit dem selbstironischen Titel "Weihrauchs böse Bilder". Inmitten einer "Ästhetik der Massen" gedeiht selbst noch ihre malerische Schönheit zur Rebellion. Wen aber bei Mephisto meint der Künstler mit Weihrauch? Da er selbst nicht antwortet, schlagen wir nach: Weihrauch - harzige Räuchersubstanz, den Geist öffnend, reinigend - und heilsam.

Zur Eröffnung am Sonntag, 12. September 2010, 11 Uhr,
sind Sie herzlich eingeladen.

Grußwort: Hans-Jörg Henle, Oberbürgermeister der Stadt Leutkirch
Einführung: Renata Scharpf-Tejová,
Pfarrer Hans Lyer, Katholischer Gefängnisseelsorger JVA Ebrach

Die Ausstellung ist täglich, außer Montag, von 14-18 Uhr geöffnet. Eintritt: 3,-€

 

"Schlüsselerlebnis"

Die Justizvollzugsanstalt Ebrach, Bayern, ist eine der fortschrittlichsten und größten des Landes. Die zehn jungen Gefangenen dort, die zusammen mit mir unter Leitung des Gefängnisseelsorgers, Pfarrer Lyer, ein gemeinsames Werk schufen, gehören zur "Prominenz" der inhaftierten Jugendlichen in Bayern.

Einige dieser "Gestürzten" wurden von den Medien über längere Zeit schonungslos verfolgt, der moralische Stab über ihnen gebrochen, ohne das Versagen unserer Gesellschaft zu hinterfragen. In der Interaktion mit diesen jungen Leuten ist ein ebenso interessantes wie ergreifendes Werk gelungen, das ihre Kreativität dokumentiert und sie als sensible Menschen zeigt.

Drei weitere, auf unsere Gesellschaft zurückgeworfene gemalte Spiegelungen - Gewalt, Betrug und Drogen, längst allgemeine beklemmende Attribute unserer Kultur, sind im Kontext mit meinem neuen Arbeitsthema "FAUST" im Frühjahr 2010 in Planung. Auch diese Arbeiten entstehen zusammen mit Jugendlichen in der JVA Ebrach.

 

„Der Schlüssel von Ebrach“ wurde am 21.November mit einem begleitenden Gottesdienst in der St.Elisabeth Kirche in Bamberg installiert ehe er erneut auf Reisen geht, um möglichst vielen Menschen als eine Brücke zwischen „drinnen und draußen“ zu dienen.

 

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